Vorburg mit Amtsgefängnis

Vom Wirtschaftsgebäude zum Gefängnis

In der Frühzeit der Burganlage befand sich hinter der Umfassungsmauer auf der Nordseite des Portals eine Plattform, von der aus der Eingang verteidigt werden konnte. Mitte des 16. Jahrhunderts entstand an dieser Stelle die Vorburg. Sie diente als Wirtschaftsgebäude mit Stallungen für 25 Pferde im hinteren Teil des Erdgeschosses sowie einem Korn- und Heuboden im Obergeschoss. Direkt neben der Durchfahrt lag eine „Stallstube“ und im Anschluss daran ein vom Burghof zugänglicher Vorraum. Hier wurden vermutlich die Pferde bereitgestellt sowie Sättel, Decken und Futter für die angrenzenden Ställe gelagert.

Ab dem frühen 18. Jahrhundert musste auch die Vorburg neuen Zwecken angepasst werden. In den Stallungen wurden 1712 zunächst zwei, 1738 schließlich vier weitere Gefängniszellen eingerichtet. In der ehemaligen Stallstube war ein Landsknecht untergebracht, der die Gefangenen zu beaufsichtigen hatte. Außerdem lagerten hier „das Geschmeide zur Verwahrung der Gefangenen und Arrestanten“ in Form von „Bein- und Hand-Schellen“ und „Hals-Kraußen“ sowie diverse Folterinstrumente. Der nicht mehr benötigte Vorraum wurde in eine Kammer für den Landsknecht und eine Küche unterteilt, die einen an der Außenseite der Wehrmauer errichteten Backofen enthielt. Vom Kornboden im Obergeschoss wurden zudem mehrere Räume für Schlossbedienstete abgetrennt, so dass sich die wirtschaftlich nutzbare Fläche der Vorburg im Verlauf des 18. Jahrhunderts um die Hälfte verringerte.

Das Radeberger Amtsgericht nutzte bis 1952 nahezu die gesamte Vorburg als Gefängnis.

Vom Gefängnis zum Museum

Die zunächst als Wirtschaftsgebäude errichtete Vorburg bekam ab dem frühen 18. Jahrhundert durch den Einbau von Verwaltungs- und Wohnräumen sowie Gefängniszellen nach und nach eine andere Funktion. Lediglich der nach Osten weisende hintere Gebäudeteil blieb als Stallung mit darüber liegendem Heuboden bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts in seiner ursprünglichen Form bestehen.

Die königlichen Amtsgerichte wurden 1874 zu Gerichtsämtern umgebildet. Für die Bedürfnisse des Radeberger Gerichtsamtes lagerte man die verbliebenen Wirtschaftsfunktionen endgültig aus und schuf stattdessen zehn neue Arrestzellen sowie zwei kleine Sanitärräume. Außerdem brach man die beiden Arresträume von 1712 im Erdgeschoss ab und errichtete an deren Stelle unter Einbeziehung von Teilen des Ganges zwei geräumigere Gefängniszellen. Diese erhielten massive Gewölbe, jeweils ein Fenster sowie einen Ofen, der vom Gang aus beheizt werden konnte. Den Arrestanten stand für ihren Freigang ein kleines, vom Schlossgarten abgetrenntes ummauertes Geviert zur Verfügung.

Die Zellen und der Gefängnishof blieben bis zum Auszug des Amtsgerichtes aus dem Schloss im Jahr 1952 in Funktion. Anschließend standen sie weitgehend leer oder wurden als Lagerräume genutzt. Bis heute sind sie nahezu unverändert erhalten.