Der Langbeinsche Lustgarten

Bereits um 1349, als man die Schlossmühle an der Röder erbaute, war das Gelände, auf dem sich der heutige Garten befindet, wohl schon vorhanden. Dafür gibt es jedoch keine Nachweise. Der Hohlweg, der am Garten entlang führt, verband die Mühle mit den Feldern. 

Im 14. Jahrhundert diente die Burg Radeberg - das heutige Schloss - als Sitz eines markgräflichen Vogtes. 1551 wurde es erstmals als Amt bezeichnet. Das Schloss Radeberg wurde dann zum Amtssitz für das Amt Radeberg. Ab 1753 übernahm Ernst Ludwig Langbein das Amt von seinem Vater Amtmann Johann Balthasar Langbein. Beide Amtmänner bekleideten diesen Posten unter der Regentschaft von Friedrich August II. Kurfürst von Sachsen. Zu dieser Zeit war das Gelände in kurfürstlichem Besitz. 1758 stellte E. L. Langbein ein Gesuch an den Kurfürsten zur Übereignung eines Grundstücks, das sich beim Schloss Klippenstein befindet und es ging 1761 in seinen Besitz über. 

Das Grundstück, um das er ersuchte, ist der untere Teil des heutigen Gartens und beherbergte zur jener Zeit das Jägerhaus und die Hundeställe. Der alte Hohlweg entlang des Gartens - die Schloßstraße - trägt deshalb bis in die heutige Zeit den Spitznamen Hundestallweg. Der Akte des Gesuchs ist eine kolorierte Karte beigefügt, in der das Grundstück verzeichnet ist. Eine ähnliche einfarbige, handgezeichnete Karte findet sich als Fotographie in den Beständen des Sächsischen Landesamtes für Denkmalpflege. Da sie den gleichen Inhalt zeigt kann man vermuten, dass beide Karten etwa zur selben Zeit, zirka 1758, entstanden sind. Diesen Karten kann man ebenfalls entnehmen, dass der obere Teil des Geländes bereits im Besitz des Amtmanns Langbein war. Darauf ist der Teil eines Lusthauses zu sehen, das eine rundliche Form aufweist. Es ist möglich, dass dies die früheste Darstellung eines Teils des Langbeinschen Gartens ist.

1763 legte E. L. Langbein dann auf dem erworbenen Land einen Lustgarten an, der mit Statuen, Grotten und Lauben gefüllt war. Es ist ebenfalls die Rede von Lusthäusern, Figuren und Springbrunnen, von Rasenbänken, einer Kegelbahn und einer Vogelstange. „Nach und nach kostete das dem Amtmanne mehrere tausend Taler und dabei mußten auch […] hier die „Untertanen“ viel unentgeltliche Arbeit leisten." 

Eine genaue Darstellung des Langbeinschen Gartens aus dieser Zeit fehlt jedoch und somit lassen sich hier nur Mutmaßungen bezüglich der genauen Gestaltung anstellen. Erst in dem Plan von 1783 lassen sich einige Elemente des Gartens erkennen. Hier kann man in der Mitte des Grundstücks - an der Stelle an der sich heute die 2. Terrasse befindet - einen runden Bau sehen, vermutlich eine Art Pavillon. Ebenso ist dort auch eine Einfriedung eingezeichnet, die in etwa der heutigen entspricht. Unter der Geländeschraffur des Plans kann man eine Baumstruktur erkennen. Dies deutet auf eine wald- bzw. hainartige Situation in dem Garten hin. Aber eine Gestaltung wie sie heute noch teilweise zu sehen ist, kann man aus den Plänen nicht entnehmen. E. L. Langbein wurde 1787 Justizamtmann, und seinen Garten bezeichnete man schon zu dieser Zeit gemeinhin als Langbeinschen Garten.

1822, zwei Jahre vor dem Tod E. L. Langbeins, wurde der Garten dann freiwillig versteigert. Den Zuschlag bei dieser Auktion erhielt der Amtsinspektor Traugott August Linke aus Radeberg.

In: Toni Josteit: Langbeinscher Garten in Radeberg. Gartenhistorische Untersuchung, Bestandsaufnahme, Denkmalbeurteilung und Entwicklungskonzept. Semesterprojekt/Gartendenkmalpflege 2010

Zeichnung von Karl Stanka, 1931
Zeichnung von Karl Stanka, 1931