Die Amtsgeschichte

Einleitung und historische Entwicklung

Seit dem späten Mittelalter, etwa mit dem 14. Jahrhundert, suchten die mächtigeren Landesherren des Reiches danach, ihre Herrschaften stärker unter unmittelbarer Verfügung zu halten. Sie gaben Rechte und Besitzungen nun nicht mehr weitgehend als erbliche Lehen aus, sondern ließen diese von abrufbaren, also beamteten Vögten/Amtleuten beaufsichtigen. Diese neuen Lokalverwaltungen wurden Vogteien, Distrikte, Pflegen, später erst Ämter genannte und bündelten die gesamten regionalen Einkommen, Besitzungen und Rechte. Damit gestalteten sie nach und nach ein effektives System moderner Landesverwaltung.

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Amtsverwaltung und Eigenwirtschaft

Seit dem ausgehenden 15. Jahrhundert ging die praktische Verwaltungsarbeit des Amtes zunehmend in die Verantwortlichkeit der Schösser über, gutausgebildete bürgerliche Verwaltungsbeamte, die den adligen Amtleuten zur Seite gestellt wurden. Dazu kam ein Landsknecht, der polizeiliche Aufgaben übernahm.

Das Amt verfügte über eine nicht unbeträchtliche Eigenwirtschaft – die sogenannten „Eigentümlichen Güter“, – zu der außer dem Schloß selbst und den Gärten vor allem die zwei Vorwerke Radeberg und Wolmsdorf, eine Schäferei, eine Mühle, Wiesen, Fischteiche und mehrere Gehölze zählten.

Überdies hatte das Amt fünf Geleitstellen, an denen Geleitsgelder entrichtet werden mußten für alle die Geleitstelle passierenden Fuhren bzw. Waren...

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Grundherrschaft des Amtes

Dafür, daß den Bauern Grund und Boden zur Bewirtschaftung überlassen wurde, mußten sie den jeweiligen Grundherren Abgaben (Zinse) leisten und Dienste (Fron) erbringen; hieraus entwickelte sich ein komplexes gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis, das üblicherweise als Grundherrschaft bezeichnet wird.

Über alle Bauern, die ihre Güter unmittelbar vom wettinischen Landesherrn innehatten, übte das Amt stellvertretend die grundherrlichen Rechte.

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Gerichtsherrschaft des Amtes

Die Gerichtsbarkeit der Ämter unterschied zwischen den Erbgerichten und dem Obergericht. Das Erbgericht war zumeist mit der Grundherrschaft verbunden und umfaßte alle Fälle der sogenannten „niederen Gerichtsbarkeit“.

Dem Obergericht blieben die schwereren Fälle und die Blutgerichtsbarkeit vorbehalten: Totschlag, schwere Körperverletzung (blutrünstigke und beinschrotige Wunden, uffgebrochne Beulen, Schandmale), Vergewaltigung, Betrug, Sachbeschädigung, schwerer Diebstahl und Gotteslästerung.

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Geschoßeinnahmen des Amtes

Das Geschoß wurde unabhängig von grundherrlicher Zuständigkeit erhoben. Es erwuchs seit dem hohen Mittelalter aus der Bede, also einer Einnahme, die vom Landesherrn (den Wettinern) zu Schutz und Wohl des Landes umfassend „erbeten“ wurde. Über den Spielraum freilich, solcher Bitte nicht nachzukommen, belehrt das alte Sprichwort, wonach „großer Herren Bitten strenges Befehlen ist“. Recht bald entwickelte sich die Bede deshalb aus einer gelegentlich geforderten zu einer regelmäßig erhobenen Abgabe (...)

Seit dem 14. Jahrhundert erscheint das Geschoß seinem Charakter nach als eine Vor- und Frühform der Steuer. Zusammen mit dem Obergericht bildet es den Kern der Amtsrechte und Amtseinkommen im wettinischen Herrschaftsraum.

 

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Militärleistungen des Amtes

Das militärische Aufgebot der wettinischen Lande wurde im Nachgang der Hussitenkriege regional neu organisiert und folglich von den Ämtern aus verwaltet und befohlen. Man unterschied zwischen den Ritterdiensten, die von adligen Lehnsleuten des Kurfürsten zu leisten waren, und der Landfolge der Bauern und Bürger.

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